Mal ehrlich, wie oft hast du heute dein Facebook geöffnet? Was schätzt du, wie viele Minuten am Tag du mit Facebook verbringst?

In diesem Artikel erzähle ich dir, warum ich mein Facebook-Konto gelöscht habe, endlich wieder ein selbstbestimmtes Leben führe und wieder mehr Zeit für mich habe.

Facebook bietet dir immer etwas Neues

Hier ein neuer Artikel, dort eine tolle Grafik, Video oder Foto, der geänderte Status eines Freundes oder jemand hat wieder etwas bombastisches erlebt.

Auf Facebook gibt es immer etwas zu entdecken.

Früher folgte ich Leute mit tollen Ideen. Menschen, die ihren Traum lebten. Meine realen Bekannte und Freunde und weitere mir unbekannte “Freunde”. Sie teilten ihr Leben mit mir, ich war dabei.

Ähh, leider nein.

Dabei war ich nie.

Tatsächlich, war ich unproduktiv. Gefühlt habe ich nie so tolle Dinge erlebt oder geschafft, wie die anderen. Ich habe nichts erreicht. Ich habe mir keinen Traum erfüllt.

Ich war neidisch auf das Leben anderer.

Zugegeben, so schlimm wie es sich anhört war es nicht. Bei Licht betrachtet habe ich natürlich viele tolle Sachen erlebt und erreicht.

Aber dieses ewige Vergleichen und Messen mit anderen. Das machte mich sehr unzufrieden.

Irgendwann habe ich gemerkt, dass ich nicht produktiv bin. Wenn ich mir etwas vorgenommen habe, lenkte ich mich mit meinen Socialmediakanälen ab. Die Zeit verging und war weg. Es war zu spät meine Aufgabe zu erfüllen oder ich war zu müde.

Das musste sich ändern, daher habe ich ein Experiment gewagt.

Projekt: Weg von Facebook, oder wie ich faste Facebook

Am Anfang hatte ich die Idee Facebook und andere Socialmediakanäle zu fasten. Zunächst eine Woche, schauen wie es sich anfühlt und vielleicht in eine Verlängerung gehen.

Tatsächlich habe ich nach dieser Woche meine Veränderung für gut befunden und entschlossen den Zeitraum auf ein unbestimmtes Ende zu verlängern.

Heute nach einem Jahr des Fastens habe ich beschlossen einen endgültigen Schlussstrich zuziehen und lösche meine Socialmediakonten. Facebook als erstes.

Eine Entscheidung, die ich mit gemischten Gefühlen durchführte. Jetzt ein Paar Wochen später und während ich diesen Artikel schreibe, fühle ich mich dabei gut. Mein Bauch sagt, dass ist die richtige Entscheidung.

Wäre das auch etwas für dich?

Das kann ich natürlich nicht sagen. Vielleicht kann ich dich mit meinem Artikel zum Nachdenken anregen.

Daher füttere ich dich mit ein Paar Fakten.

Du bist nicht allein

Mehr als 30 Millionen Menschen in Deutschland sind bei Facebook registriert. Davon nutzen 21 Millionen Facebook jeden Tag. Sie posten und konsumieren, sie lenken sich und auch dich ab.

Ein “zweifelhafter” Zeitvertreib, Zeitdieb oder Zeitmonster.

Quelle: Allfacebook

Ich bin keiner mehr von ihnen.

Glaubst du, dass das hundertste Selfie, das tausendste Katzenfoto, das millionste Urlaubsfoto irgendeinen Wert hat?

Wie viele Aufrufe bist du gefolgt?

Wie viele schreckliche Bilder hast du dir angeschaut?

Wie viele Posts in deinem Stream sind gehaltvoll? Sei ehrlich! Zähl nach! Einer von 10, von 20, von 100?

Wie viel Zeit verschleuderst du?

Am Tag verbringen wir täglich:

Ok, Youtube nutze ich heute noch gerne, daher schließe ich es aus und rechne zusammen: Effektiv habe ich 51 Minuten am Tag gewonnen. Fast eine Stunde mehr Zeit für mich und weniger Schrott im Kopf.

Ein Stunde am Tag für:

Das sind im Leben 5 Jahre und 4 Monate!

Laut dieser Infographic verbringen wir fünf und vier Monate Lebenszeit auf Socialmediakanälen. Nur das Fernsehen übertrifft es und steht an erster Stelle.

Es ist traurig. Die Socialmediakanäle sind das neue Fernsehen geworden.

Quelle: Mediakix

Ein Altersvergleich

Werfen wir einen Blick auf die Altersverteilung bei der Smartphone- und Fernsehnutzung. Als 1971er Baujahr müsste ich laut dieser Statistik durchschnittlich in der Woche:

Da ich kaum fernsehe und keine Socialmedia App mehr auf meinem Smartphone habe. Gewinne ich hier geschätzte 40 Minuten zusätzlich für mich.

Insgesamt bin ich somit bei 1,5 Stunden Zeitgewinn am Tag.

Zeit, die ich für mein Leben nutzen kann.

Wie sieht es bei dir aus?

Quelle: Businessinsider

Was Facebook über dich weiß

Verlassen wir die Verweildauer und schauen nach was wir preisgeben. Die Jungs von Netzpolitik haben 98 Punkte zusammengetragen.

Alle werde ich nicht aufzählen, denn ich bin noch zu geschockt.

Sieh dir die Liste an und entscheide selbst ob du das alles verraten möchtest.

Für mich steht fest: Ich sage nein. Da möchte ich nicht mitmachen. Der Mehrwert von Katzenfotos kann den Preis meiner Auskünfte nicht aufwiegen.

Daher biete ich auf meiner Webseite keine “Teilen” Buttons an. Wobei die Gründe dafür ein anderer Artikel werden wird.

Facebook weiß, in welchem Jahr das Haus gebaut wurde, in dem du wohnst

Quelle: Netzpolitik

Was passiert mit deinen Daten?

Jetzt stelle ich mir die Frage, was Facebook mit all diesen Daten macht.

Facebooks Geschäftsmodell ist die personalisierte Werbung. Alles Wissen über dich wird zusammengetragen um dir eine passgenaue Werbung anzubieten.

Werbung, die dich schneller verleitet Etwas zu kaufen. Manchmal eher als du den Wunsch danach selbst verspürst. Sehr lohnenswert für den Hersteller des Produktes und somit für Facebook.

Aber für dich? Was wollen alle Beteiligten? Geschäfte machen! Sie wollen dein Geld.

Zudem nutzt Facebook das gesammelte Wissen um dich mehr an das Unternehmen zu binden.

Wie soll das funktionieren?

Mit den gesammelten Informationen kann Facebook vorhersagen, was dich interessiert. Nicht nur was du wahrscheinlich kaufen wirst, sondern was du magst und nutzt. Facebook nutzt dieses Wissen um Dienste anzubieten, die dich noch enger an das Unternehmen binden. WhatsApp ist dafür das bekannteste Beispiel.

Mit deinen Bildern und Videos teilst ganz nebenbei Facebook mit, wo du dich aufhältst. Standortdaten werden im Bild, Video und mit der App weitergeben.

Die Gesichter auf deinen Fotos werden erkannt und mit den Gesichtern deiner Freunde verglichen. So schön es ist, dass dir Facebook den passenden Namen vorschlägt, oder du freiwillig mitteilst. Facebook weiß sehr genau welchen sozialen Umgang du pflegst.

Stell dir Folgendes vor: du bist Student, lernst viele neue aufregende Leute kennen. Nach und wird dein Leben härter, du gerätst auf die schiefe Bahn.

Könnte Facebook das vorhersagen?

Ich behaupte ja. Die dazu benötigten Daten sind da. Wahrscheinlich hast du nach und nach weniger Nachrichten an deine “guten” Freunde geschrieben. Dafür mehr an die lebhaften “neuen” Freunde. Deine Bildinhalte sind nicht mehr lustig, sondern eher peinlich und feucht fröhlich. Deine Textinhalte haben sich von gehaltvoll zu überflüssig gewandelt.

Dein “feel good” Index ist nach und nach gesunken und Facebook hat es gemerkt.

Ein schreckliche Vorstellung?

Facebook, weiß wahrscheinlich eher mit wem du Fremdgehen wirst, als du selber. Eine gewagte These? Ich glaube daran.

Anhand deiner Texte und Bilder erkennt Facebook in welcher emotionalen Verfassung du bist. Oder weiter gedacht, bei welchen Kommunikationspartner du gute Laune bekommst. Bei deinem Freund oder Freundin oder bei diesem tollen neuen Menschen den du kennengelernt hast.

Die Daten von Facebook, WhatsApp und Instagram zusammen ergeben eine enorme Datenmenge über dich. Stell dir einen Profiler vor, der all diese Daten über dich auswertet. Wie gut wird seine Analyse sein, obwohl er dich nicht persönlich kennt?

Das wäre natürlich eine enorme Arbeit für den Profiler. Zudem gibt es Millionen Facebook Nutzer. Warum sollte man ausgerechnet dich analysieren?

Du hast recht. Genau deshalb beschäftigen sich die Wissenschaftler und Informatiker wie sie diese Daten mit künstlicher Intelligenz analysieren können. Sie sind auf einem guten Weg.

Ach, nicht zu vergessen. Bestimmt nutzt du bei anderen Webanwendungen das einfache “Mit Facebook anmelden”. Äußerst praktisch, du brauchst dir nur ein Passwort merken.

Auch hier gibt es ein Haken.

Durch dein Login weiß Facebook wann und welchen Fremdanbieter du nutzt. Somit hat Facebook eine Statistik welche Programme du verwendest. Sie können die Daten querlesen und erhalten eine Auskunft darüber wieviele Benutzer diese Anwendung nutzen. Diese Informationen sind Gold wert, denn sie sind Kennzahlen wieviel ein Unternehmen wert ist.

Nehmen wir an, diese neue Anwendung entwickelt sich in Deutschland prächtig und wächst weiter in Europa und Facebook bekommt diese Informationen kostenlos durch dein Login. Die Strategen bei Facebook unterhalten sich längst ob sich eine Übernahme lohnt.

Wieder ein Punkt für Facebook.

Du kannst alternativ einen Passwortmanager nutzen, und deine Passwörter für dich behalten. Warum ich Daschlane als Passwortmanager nutze kannst du hier lesen.

Quelle: irights

Facebook macht dich unglücklich!

Eingangs erwähnte ich, wie Facebook mich unglücklich machte. Das ist ein bekanntes und untersuchtes Phänomen. Das Vergleichen mit Anderen, das isolierte Konsumieren ist für das Wohlbefinden nicht gut.

Quelle: Warum dich Facebook unglücklich macht

oder

Quelle: Harvard Business Review

So löscht du dein Konto dauerhaft

Dein Facebook-Konto dauerhaft löschen ist nicht ganz einfach, folge dieser Anleitung.

Link: Facebook-Konto löschen

Ich werde weiter gehen, und meine anderen Socialmediakonten löschen.

Veröffentlicht: 21.07.2017 | Aktualisiert: 22.07.2017 | Worte: 1500 | Lesezeit: 7 Min | Kategorie: minimalismus | Tags: fokus unplugged

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